Übersetzung und Bearbeitung Martin Thomas Pesl Marlene Weseslindtner
Aufführungen:
4., 8. und 10. Mai 2002
im BG 9 Wasagasse
"Relations are simply a tedious pack of people who have not the remotest knowledge of how to live, nor the smallest instinct about when to die."
In der Londoner Oberschicht prallen exzessives Vergnügen und strenge Moral aufeinander. Wer reich ist, kann sich zwar allerlei leisten, sieht sich dabei aber von einem umfangreichen Moralkodex beobachtet, einer Reihe von ungeschriebenen Gesetzen, die bestimmen, was man tun sollte und was nicht. Einige beugen sich diesem unsichtbaren Regelwerk, um Mitglieder der society zu bleiben, andere verzichten.
Wer beides will, muss sich etwas einfallen lassen. Der auf dem Land lebende Jack Worthing etwa, dessen Hauptaufgabe darin besteht, sein attraktives Mündel vor hungrigen Männern zu beschützen, erdichtet sich einen kleinen Bruder namens Ernest, dem er eben recht oft zur Hilfe eilen muss, um ein paar Tage in der Stadt verbringen zu können. Sein Freund Algernon, geplagt von einem Drachen von Erbtante, entflieht gerne dem Stadtleben, um einen kranken - und selbstverständlich fiktiven - Freund namens Bunbury zu pflegen. Aus diesem Spielchen hat Algernon eine Wissenschaft gemacht und dieser einen eigenen Namen gegeben: Bunburying, sprich: systematisches Intrigieren und Manipulieren anderer Leute zu eigenen Zwecken. Aber Vorsicht: Es ist nicht alles so böse, wie es klingt. Schließlich ist man reich, und das Leben ist ohnedies nicht ernst zu nehmen. Doch auch die Damenwelt hat ihre ganz speziellen Freizeitbeschäftigungen. Und die drehen sich vor allem ums Heiraten ...
Oscar Wilde versteht es meisterlich, die Sorgen derer zu beschreiben, die keine Sorgen haben. Neben einem genauen Blick auf die Gesellschaft seiner Zeit voller feiner Kritik, aber auch nicht zu übersehender Sympathie (schließlich war er ja einer von ihnen) präsentiert Wilde eine der wenigen, immer noch wirksamen Möglichkeiten, im Wahnsinn dieser Welt über die Runden zu kommen. Nur wer heute eine Idee von Bunburying hat, kann entspannt und grinsend dem Leben ins Auge blicken und die Verrücktheit seiner Umgebung für sich nutzen und genießen. "Ein Mann, der heiratet, ohne Bunbury zu kennen", heißt es, "hat eine anstrengende Zeit vor sich."
The Importance of Being Earnest ist ein herzhaft böser und herrlich komischer Erguss über die wirklich wichtigen (?) Dinge im Leben! Wilde lässt hier alle moralischen und dramaturgischen Einschränkungen links liegen, und so gelingt es ihm, seine Philosophie - auch heute noch - jedem Zuschauer schmackhaft zu machen oder ihn zumindest anderthalb Stunden lang zum Schmunzeln zu bringen...
Team
Lane Folkher Gmach -
Algernon Moncrieff Martin Thomas Pesl -
Jack Worthing Georg Hufgard -
Lady Agatha Bracknell Sandra Keplinger -
Gwendolen Fairfax Sophie Zwölfer -
Cecily Cardew Anna Chmura -
Laetitia Prism Sophie Prusa -
Reverend Dr. Frederick Chasuble Harald von Beringe -
Merriman Niki Griller -
Klavier Mario Pillai
Regie Martina Kiseloski -
Idee Martina Kiseloski, Martin Thomas Pesl -
Lichtregie Florian Geschl -
Maske, Frisuren Desiree Losert -
Catering Charlotte Pesl -
Grafik Nina Eigner -
Fotografien Sandra Keplinger, Isabell Schatz -
Organisation Astrid Rech -
Beleuchtungsassistenz Johannes Bolhar Nordenkampff -
Souffleuse Lena Sophie Kaltenegger, Astrid Rech -
Empfang Alexander Koukal